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"Wichtig: Auch mal 'eine blöde Frage' stellen!"

Portrait Christina und Thomas Lehrgangsleitung
Mittwoch, 7. September 2022

"Wichtig: Auch mal 'eine blöde Frage' stellen!"

Zum 4. Mal startet im Oktober unser Zertifikatslehrgang Geld und Gemeinwohl – die Finanzwelt verstehen und gestalten. Ein schöner Anlass, den Lehrgangsleiter*innen Christina Buczko und Thomas Reichmann zu dessen Geschichte, den dahinterliegenden Anliegen und über persönliche Einblicke auf den Zahn zu fühlen.

 

Warum hat die Genossenschaft für Gemeinwohl den Lehrgang vor drei Jahren ins Leben gerufen?

Christina: Seitens der Akademie für Gemeinwohl war es uns ein großes Anliegen, unser gesammeltes Wissen zu bündeln und es Interessierten möglichst kompakt und umfassend zur Verfügung zu stellen. Außerdem gab es aus meiner Sicht am Weiterbildungsmarkt für Erwachsene oder im Bereich der politischen Bildung kein Angebot, das sich fokussiert mit Geld und finanzpolitischen Fragen beschäftigt hat. Diese Lücke zu schließen war der anfängliche Anspruch. Davon ausgehend haben wir das Curriculum des Lehrgangs entwickelt und versucht, im thematischen Bogen, den der Lehrgang bietet, alle wirklich wichtigen Aspekte mit zu berücksichtigen. Das beginnt bei den Fragen: Was ist Geld? Wie entsteht Geld? Was sind Finanzmärkte, und wie funktionieren sie? Und geht weiter mit: Wie entwickeln sich nachhaltige Investments? Was passiert im Bereich Digitalisierung? Ist das Geldsystem veränderbar – und wenn ja, wie? Und schließlich der zentrale Punkt: Was kann ich persönlich dazu beitragen?

 

Der Lehrgang ist ein Zertifikatslehrgang – was macht das Akademische dieses Lehrgangs aus?

Thomas: Spannend, dass ich als Nicht-Akademiker in der Runde diese Frage bekomme :) Aber wenn du mich schon fragst: Ich finde, es ist die Anerkennung der investierten Zeit und insbesondere der Projektarbeiten der Teilnehmer*innen in Form von 8 ECTS-Punkten, wie man sie sich eben für eine Bildungskarenz oder für diverse andere Ausbildungen anrechnen lassen kann, die das Akademische des Lehrgangs ausmachen. Dabei ist der Lehrgang lebens- und praxisnah gestaltet, es geht also nicht um „akademisch“ in dem Sinn, dass wir die Lehre möglichst weit entwickeln wollen. Wir versuchen, die Lehre greifbar, und damit auch „angreifbar“ zu machen.

 

Was war bei der Konzeption des Angebots wichtig?

Christina: Das Empowerment der Teilnehmer*innen, Veränderung zu bewirken, steht im Zentrum. Der Lehrgang sollte nicht nur Inhaltliches bieten, sondern sich auch mit den dahinterliegenden Fragen beschäftigen, wie etwa: Wenn ich mich mit anderen zusammenschließe und organisiere, um gesellschaftliche Veränderung anzustoßen, welche Form der Entscheidungsfindung und Organisationsstruktur ist dabei hilfreich? Welche Modelle gibt es da, was kann man sich abschauen, was aus bestehenden Erfahrungen lernen? Aus unserer Sicht braucht gesellschaftliche Veränderung auch entsprechende Strukturen. Auch das beinhaltet unser Lehrgang. Und das zweite ganz Wesentliche: Es braucht die Auseinandersetzung mit Geld auf einer gesellschaftlichen Ebene, aber sehr wohl auch auf der persönlichen Ebene: Was bewirkt Geld bei mir selbst, in mir selbst? Wenn man sich dem Thema auf ganzheitliche Art nähern möchte, muss man diese unterschiedlichen Ebenen, die betroffen sind, adressieren – und sie sich auch bewusst machen. Geld ist nicht nur in der Welt und existiert da außen, als Nummer auf meinem Bankkonto, sondern es macht auch etwas mit mir. Wenn man sich damit auseinandersetzt, erarbeitet man sich auch die Möglichkeit, die gesellschaftliche Perspektive anders wahrzunehmen.

 

Thomas, was hat dich dazu bewogen, in die Leitung des Lehrgangs einzusteigen?

Thomas: Ich habe ja den ersten Lehrgang als Teilnehmer mitgemacht und dachte danach: „So muss Lehrgang sein!“ :) Ich war ganz begeistert. Ich habe über 15 Jahre professionellen Trainingshintergrund und habe gesehen, dass die innovative Annäherung ans Thema Geld sowohl für die Teilnehmer*innen als auch für die Vortragenden sehr wirkmächtig war. Ein äußerst sinnvolles und wirkungsvolles Handlungsfeld im Sinne des Mottos der Genossenschaft für Gemeinwohl: „Geld gemeinsam gestalten“. Dieses diskursive Gesprächs- und Austauschformat ist für mich unschlagbar, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und Zusammenhänge zu verstehen –  für alle Seiten. Deshalb wollte ich mich hier – gerne auch ehrenamtlich – engagieren.

 

Was ist euch beiden beim Leiten wichtig?

Christina: Mir ist vor allem wichtig, dass wir im Lehrgang eine wertschätzende Atmosphäre schaffen. Der Lehrgang ist ja für eine Kleingruppe konzipiert, und wir wollen einen guten Austausch innerhalb der Gruppe und auch mit den Vortragenden ermöglichen. Es soll einen vertrauensvollen und geschützten Raum geben, in dem es möglich ist, jede Frage zu stellen, auch einmal „eine blöde Frage“.

 

Thomas: Ich finde das Zuhören besonders wichtig. Das Wahrnehmen, was die Teilnehmenden wirklich bewegt. Und mich zu dem in Bezug zu setzen, was für sie jetzt gerade „da“ ist: Diskursgestaltung durch Zuhören. Und – zugegeben –, manchmal macht es mir schon auch Spaß, Glaubenssätze zu hinterfragen. Sei es jetzt bei den Vortragenden noch einmal nachzufragen, oder auch die Bilder der Teilnehmenden, die sie mitbringen. Da noch einmal reinzustoßen. Lernen und Entwickeln beruht darauf, offen zu sein. Wenn neu Gehörtes dem, was man bisher geglaubt hat, widerspricht (zumindest scheinbar), finde ich es besonders spannend, dort nochmal tiefer reinzugehen und die verbreiteten Botschaften nicht glatt durchlaufen zu lassen.

 

Das heißt, in der Runde sitzt ein advocatus diaboli?

 

Thomas: Ja, einer mit ganz kleinen sanften Hörnchen :)

 

Gab es in den letzten Jahren ganz besondere Momente für euch?

Thomas: Ja, wiederkehrende: Das Ankommen, der Beginn. Da werden aus Namen Menschen. Und am Ende und auch immer wieder zwischendurch die Reflexion: Was ist angekommen, was ist passiert? Da entstehen auch bei mir immer wieder die Erkenntnisse und neuen Ideen – aus dem heraus, was die anderen sagen. Das schätze ich sehr.

 

Christina: Für mich ist es ähnlich: Die Teilnehmenden dabei zu beobachten, wie sie sich weiterentwickeln. Und mein persönliches Highlight ist dann immer Modul 5, in dem alle ihre Abschlussarbeiten präsentieren – dieser Schatz an Themen und an wirklich großartigen Projektarbeiten mittels verschiedener Methoden, angefangen vom Gesangsstück bis hin zur Theoriearbeit, da war jede einzelne für mich ein Highlight. Weil man auch immer wieder so schön sieht, dass sich die Leute wirklich mit dem Thema beschäftigt und viel Energie und Zeit und Herzblut hinein investiert haben.

 

Was wünscht ihr euch für den kommenden Durchgang bzw. die Lehrgangsgruppe 2022?

Thomas: Meine Erfahrung sagt mir, es kommen immer die Richtigen, und dann passiert auch das Richtige. Das Format funktioniert einfach, ich bin da sehr zuversichtlich.

 

Christina: Da schließe ich mich an. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es wieder eine großartige Gruppe sein wird, und tolle neue Ideen entstehen werden.

 

Danke!

 

Interesse? Alle Informationen zum Zertifikatslehrgang "Geld & Gemeinwohl – die Finanzwelt verstehen und gestalten" findest du auf der Lehrgangsseite, und am 21. September um 17:30 Uhr findet das nächste Info-Webinar statt. Herzliche Einladung!