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Kein Erbarmen!

Sirene Kein Erbarmen Sujet
Mittwoch, 5. August 2020

Kein Erbarmen!

Was ist die aktuell wesentlichste Aufgabe aller Kulturschaffenden?

 

Das fragte man sich beim Sirene Operntheater in Wien. Die Antwort: Einen Beitrag zu leisten zur notwendigen, am Gemeinwohl orientierten Transformation unseres Wirtschaftens und unserer Gesellschaft.

 

„Kultur“ wird meist primär mit dem Kunstbereich assoziiert: bildende, performative, digitale usw. Kunst. Weitet man dieses Verständnis, kann man auch den gesellschaftlichen Wandel als Kunstform betrachten.

 

Die Veranstaltungsreihe Kein Erbarmen! basiert auf diesem erweiterten Kulturverständnis. Es handelt sich um 28 eineinhalbstündige, performative Symposien, in denen den Ursachen für die laufend wachsenden Ansprüche an karitative Einrichtungen auf den Grund gegangen wird. Ohne monokausale Erklärungen zu suchen für das komplexe Bündel von allgemeinen Rahmenbedingungen und individuellen Gegebenheiten, die Menschen dem Hunger, der Obdachlosigkeit, dem Verlust ihrer Freiheit oder verschiedenen Krankheiten preisgeben, richtet „Kein Erbarmen!“ einen konzentrierten Blick auf die Rolle, die das aktuelle finanzkapitalistische Wirtschaftssystem bei der Entstehung jener Nöte spielt, welche durch die Werke der Barmherzigkeit gelindert werden sollen. Wir – das Sirene Operntheater in Kooperation mit der Akademie für Gemeinwohl – fragen: Geht es auch anders? Sind wir in der Lage, Formen des Wirtschaftens und Verteilens zu etablieren, die keine der Barmherzigkeit bedürftigen Menschen zurücklassen? Soll die Zukunft des sozialen Zusammenhalts und des Schicksals der Biosphäre weiterhin der unsichtbaren Hand des Marktes überlassen bleiben oder ist eine am Gemeinwohl orientierte Wirtschaftsordnung ein gangbarer Weg für das friedvolle Zusammenleben der Menschen untereinander und mit dem Planeten, den wir bewohnen?

 

 

Kein Erbarmen! unternimmt es in diesem Sinn, Menschen mit sehr unterschiedlichem kulturellem Hintergrund ins Gespräch über die Gestaltung des sozialen Miteinanders in unserer Stadt Wien, in Österreich und im Europa der Zukunft zu bringen. Wir sehen einen Film aus der Klangforum-Produktion Happiness Machine, hören ein Lied von Georg Kreisler und sprechen miteinander über die Ursachen des Elends, denen wir, dem Aufruf Victor Hugos vom 9. Juli 1849 folgend, nicht mit Barmherzigkeit, sondern mit ihrer Beseitigung begegnen wollen: Détruire la misère! – Das Elend aus der Welt schaffen.

 

Kein Erbarmen!
28 kurze Symposien gegen das Elend. Filme, Lieder, Brandreden, Interviews und Streitgespräche, zusammengestellt von Sven Hartberger. Ein Beitrag der Akademie für Gemeinwohl.

Information und Karten: https://www.sirene.at/aktuell/karten-bestellen/