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Geld gemeinsam gestalten – mit Rudolf Neuwirt

Portrait Rudolf Neuwirt
Freitag, 2. April 2021

Geld gemeinsam gestalten – mit Rudolf Neuwirt

Für unsere neue Newsletter-Rubrik, in der Mitglieder darüber erzählen, warum sie Mitglied geworden sind, durften wir kürzlich Rudi Neuwirt aus Graz befragen. Er selbst schreibt über sich:

 

Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit dem Thema Geld und mit alternativen Geld- und Wirtschaftsformen. Im Jahr 2018 wurde diese Arbeit intensiviert, wir gründeten in Graz einen Wirtschaftskreis, der sich mit der Steiner’schen Wirtschaftslehre auseinandersetzt. Wir treffen uns einmal im Monat und veröffentlichen aktuelle Themenbereiche über die Dreigliederung des sozialen Organismus. Seit 2019 bin ich Mitglied der Genossenschaft für Gemeinwohl und freue mich, dass ich den Zertifikatslehrgang der Akademie „Geld und Gemeinwohl – Die Finanzwelt verstehen und gestalten“ besuchen kann. Nachdem ich seit September 2020 pensionierter Pädagoge bin, habe ich viel zeitlichen Freiraum, um mich mit dem Wirken des gegenwärtigen Geld- und Finanzsystems auseinanderzusetzen.

Rudi, was bedeutet Geld für dich, was Gemeinwohl?

Geld ist eine wesentliche Erfindung in der Entwicklung der Menschheit und in unserer heutigen Zeit des globalen Wirtschaftens nicht mehr wegzudenken. Geld hat in seiner Entwicklung, vor allem seit dem 20. Jahrhundert schädliche Formen angenommen, die den Menschen nicht mehr dienlich sind. Zugleich ist Geld immer immaterieller geworden. Papiergeld hat keinen wesentlichen Materialwert und digitales Geld ist bereits völlig immateriell. Geld darf jedoch nicht mehr als unbegrenztes Mittel zur Vermögensvermehrung verwendet werden, wie es jetzt der Fall ist. Geld muss wieder der Realwirtschaft dienen. Dazu müssen neue Wertebegriffe entstehen, sodass die wesentlichen Produktionsfaktoren einer Volkswirtschaft – die Naturgrundlage, die menschliche Arbeit und das Kapital – in den Diensten der Menschen stehen und nicht nur finanziellen und politischen Eliten dienen. So kann eine Gemeinwohlwirtschaft entstehen.

Du nimmst gerade am Lehrgang Geld & Gemeinwohl teil – schon neue Erkenntnisse gewonnen?

Der Lehrgang hat eine ausgezeichnete Qualität, die Themen sind vielseitig und vor allem werden Inhalte weitergegeben, die in den Mainstream Medien kaum Platz finden. Es ist außerordentlich wichtig, dass die Menschen das moderne Geld- und Wirtschaftssystem verstehen lernen. In diesen Bereichen Bewusstsein zu schaffen ist einer der Schlüssel zum Entstehen einer Gemeinwohlwirtschaft.

Magst du etwas über dein Projekt erzählen, das du im Lehrgang bearbeitest?

Der Styrrion ist eine Regionalwährung in der Mittelsteiermark, er wurde 2005 in Graz gegründet. Ich bin seit 2005 Abonnent des Styrrion und arbeite seit Sommer 2020 im Kernteam des Styrrion mit. Der tiefere Sinn des Styrrion ist, kleinere regionale Wirtschaftskreisläufe zu schaffen, die überschaubar sind. Der Styrrion bildet eine Erzeuger-Händler-Verbraucher Gemeinschaft. Zwischen Erzeugern, Händlern und Verbrauchern entstehen soziale Beziehungen, die für das gemeinsame Wirtschaften hilfreich sind. Es ist uns ein Anliegen, dass sich die Konsumenten wesentliche Fragen stellen: Wie kaufe ich ein? – Wo kaufe ich ein? – Was kaufe ich ein? Mein Themenbereich für die Projektarbeit ist die Implementierung des Styrrion in der Smart City in Graz. Die Smart City ist ein neuer Stadtteil mit etwa 3000 Einwohnern im Westen von Graz, in dem nachhaltige Werte wie sanfte Mobilität, Energieeffizienz und ökologische Orientierung geschaffen werden sollen. Ich möchte das Thema „Einführungskonzept – in welchen Schritten kann eine Einführung des Styrrion in der Smart City erfolgen?“  in meiner Projektarbeit behandeln.

Danke!