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„Einfach unbezahlbar“

Sonntag, 8. November 2015 – von

„Einfach unbezahlbar“

Student Jakub hat ein Praktikum bei uns absolviert, hier sein Bericht.

"Nach Studienaufenthalten in Amsterdam und Paris hätte ich viele Möglichkeiten gehabt: Indien, Singapur und sogar Senegal zählen zu den Ländern, in welchen ich Freunde besuchen und wahre Abenteuer erleben hätte können. Ein Praktikum in London, New York oder Frankfurt hätte ich zu meinem Curriculum Vitae zufügen können. Nichtsdestotrotz bin ich zurück nach Wien gefahren. Auch dort wären mir die Türen zu verschiedensten Unternehmen offen gewesen, doch ich entschied mich, meine redlich verdiente Freizeit bei dem Projekt Bank für Gemeinwohl zu investieren. Der Gewinn nach mehr als einem Monat? Naja… Ich bin zwar um keinen Pfennig reicher geworden, habe aber wirklich interessante Persönlichkeiten kennengelernt, Arbeitserfahrungen aus dem Bankwesen gesammelt und zu einer guten Sache beigetragen. Der Wert davon: einfach unbezahlbar.

Der Gewinn besteht aus Sinn und Werten

Auch intern geht es bei dem Projekt um mehr als nur Zahlen. Seit mehr als vier Jahren arbeitet ein Team aus Experten und ehrenamtlichen Mitarbeitern daran, eine Bank zu gründen, die ohne Spekulationsgeschäfte auskommt. Eine Bank, die Verantwortung für die Umwelt ebenso wie für das Wohlbefinden der Menschen übernimmt. Eine Bank, die Landwirt/-innen, Künstler/-innen, Professor/-innen ebenso wie Manager/-innen gleichermaßen gehört. Eine Bank, in der nicht der reine finanzielle Gewinn angestrebt wird, sondern der Rückfluss aus Sinn und Werten besteht. Einfach gesagt, eine Bank für Gemeinwohl.

Praktikant/-innen-Programm

Ende 2016 / Anfang 2017 soll es dann tatsächlich so weit sein und die ersten gemeinwohlfördernden Bankprodukte an die breite Öffentlichkeit angeboten werden. Richtig gelesen: Die Bank gibt es noch nicht. Während meines Praktikums war ich für das Stemmen des nötigen Kapitals zuständig. Ich kommunizierte mit angehenden Genossenschafter/-innen, beantwortete ihre Fragen und sorgte dafür, dass ihre Erst- und Nachzeichnungen auch richtig verarbeitet wurden. Das war der externe Teil meiner Arbeit - intern vereinfachte ich Wege zur Lösung von eventuellen Problemstellungen und dokumentierte teils komplexe Prozesse. Dadurch kann das Team effizienter arbeiten und schneller auf die einzelnen Fälle reagieren. Mein letztes Projekt fiel unter den spannenden Bereich des „Human Resources Management“. Mit meiner Kollegin Anna entwickelten wir gemeinsam das Programm für zukünftige Praktikanten (Bewerbungen bitte an mitarbeit@mitgruenden.at). 

Auf Augenhöhe mit dem Vorstand

Nach fast zwei Monaten schaue ich gerne auf die Zeit im Naschmarkt-Büro zurück und könnte jedem motivierten, hart arbeitenden und am Gemeinwohl interessierten Studenten empfehlen, in meine Fußstapfen zu treten. Nicht nur bekommt man die Chance, autonom an eigenen Projekten zu arbeiten und lernt dabei, was keine Universität je einem beibringen könnte („learning by doing“ sozusagen). Mehr noch, wird jedem Praktikanten ein Mentor zugewiesen, der bei jeglichen Fragen, Anliegen oder Unsicherheiten gleich bei der Seite steht. Da das Projekt soziokratisch geführt wird, braucht man sich vor anderen Mitarbeitern nicht zu fürchten. Ganz im Gegenteil, es kommt vor, dass man plötzlich im Rahmen eines Meetings der Vorständin und dem Vorstand gegenübersitzt und auf Augenhöhe mitdiskutiert.  Summa summarum ein Sommer, den ich so leicht nicht mehr vergessen werde. An dieser Stelle möchte ich mich noch bei all meinen Kollegen für die tolle Zeit bedanken und wünsche dem Projekt noch viel Erfolg! Jakub."